‚La vida era un cuento idiota contado por un idiota‘

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… von Augusto Monterrosso, heißt so viel wie: Das Leben ist eine von einem Idioten erzählte idiotische Erzählung.

Von Donnerstag Morgen bis Samstag Nacht feierte ich diesen und andere Kalauer ausgiebig. Nicht nur, dass mich ein wirklich schöner Kurzgeschichtenband über mexikanische Identität von mexikanischen Autoren begleitete, mir wurde ständig eben dieser und diese auf’s schmerzhafteste und wunderbarste und bezauberndste bewusst.

Lassos of Mexico

Wegen eines Vortrages lud mich Oliver, mein Chef, ein, ihn nach Querétaro, einer etwa 500.000 Einwohner großen Stadt ca. drei Stunden im Norden von Mexiko-Stadt, zu begleiten. Für mich eine gute Gelegenheit, das zentrale nördliche Hochland zumindest einigermaßen und recht fix kennenzulernen.

Mexiko in seiner ganzen Schwere. Auf dem Weg nach Querétaro und aus dem Busfenster nicht enden wollende Vororte der Stadt. Irgendwas zwischen Slums und industrialisierenden Arbeitervierteln. Mexikos Arme leben (noch) größtenteils auf dem Land. Ein eigentlich schon verhungertes Pferd inmitten von Dreck und anderem. Schrottplätze und jede Menge Übergang und Verfall. Und Wachstum, trotz allem oder gerade drum.

Auf dem Weg in den Norden

Die Städte Querétaro mit massig ansässiger (ausländischer) Industrie und vor allem Guanajuato sind verhältnismäßig reich und zumindest in den Innenstädten ausnehmend europäisch protzig, kolonial, hübsch, kitschig, sauber und sicher. Eigentlich auch die Außenbezirke. San Miguel de Allende als Zwischenstation darüber hinaus völlig von Amerikanern (denen aus dem Norden) bevölkert und gewissermaßen ‚Disneyland für amerikansiche Rentner‘. Nun ja, man kann in diesen Städten ganz gewiss super leben, sie sind lebendig und schön und haben tatsächlich Charme und meine Zeit in ihnen war eine gute.

Und eben dies, und mein leider mit vier Stunden viel zu kurzer Halt in Bernal, einer sehr kleinen Stadt inmitten von Bergen und reichlich famoser Natur, haben mir einmal mehr und mit heftigster Schlagkraft dieses faszinierende, schöne und grausame Bild eines Landes vor Augen geführt, welches so gar nicht zu wissen scheint, wohin und warum. So fern Länder so etwas wissen können.

Auf dem Rückweg von Guanajuato nach D.F. ein vielleicht klärendes Gespräch mit einem Mexikaner und promovierten Ökonomen. Nicht viel Neues, wieder Verzweiflung über die tatsächlich und in Anbetracht der Potenziale unglaublichen Situation des Landes, die immer krasser werdende Kluft zwischen Arm und Reich und vor allem die ihr innewohnende soziale Ignoranz, die kulturelle Stagnation, die allgemeine Trägheit und Selbstzufriedenheit, der ausgeprägte Patriotismus, der verklärte Blick auf die eigene Geschichte, die Religiosität, der Melting-Pot, die überbrodelnde Schönheit, die Politik… Vieles wird von den Meisten, die ich getroffen habe, an letzterer festgemacht, überraschenderweise fast immer mit dem Nebensatz, dies sei nicht nur ein Problem der Unfähigkeit oder Machtbesessenheit führender Politiker, sondern eines der Mentalität. Es fehlt nicht nur das Vertrauen in Institutionen, sondern viel schwerwiegender, jenes in die Menschen, die Gesellschaft und schließlich die eigene Stärke.

In der Metro schlussendlich ein überl riechender Mann auf dem dreckigen Fußboden selbiger. Halb nackt ein paar Rollen über ein Tuch mit Scherben. Für ein paar Pesos und beschämte Wegschauer wie mich und alle anderen. Wer sich sein Portiönchen gutes Gewissen für den kläglichen Rest des Tages holen will, gibt etwas. Immer wieder dieselben Kämpfe. Sie sind keine anderen als in jeder größeren deutschen Stadt. Es gibt sie nur öfter, viel öfter. Die Idiotie hat uns wieder und weil es keinen Umkehrschluss zu geben scheint, bleibt es wohl dabei.

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